Glücklich sein ist dein Geburtsrecht

Und dann kam alles anders ...

von Clarissa Mandev Kaur Köpfer

Wie oft höre ich von meinen Kindern „bleib locker" oder „da habe ich keine Lust, können wir nicht lieber...". Gleichzeitig höre ich von ihnen mindestens genauso oft „das war aber ganz anders geplant" und „kannst du das nicht früher sagen!".
Unsere lieben Gewohnheiten und Pläne. Sie geben uns Sicherheit – vermeintliche Sicherheit.
Wir glauben, wir können alles planen und uns absichern und hätten alles im Griff. Und dann kommen diese vielen Kleinigkeiten im Alltag, die uns immer wieder umplanen lassen. Manchmal sind es auch schwerwiegende Veränderungen, wie z.B. schwere Krankheiten, Trennung oder Naturkatastrophen. Und alles kommt anders, als gedacht.
Wie ich damit umgehe ist eine Frage meines Bewusstseins. Und es hängt von meinen individuellen Mustern und Prägungen ab.
Ich selbst war früher z.B. ein überpünktlicher Mensch. Mir waren Freunde oder Kollegen, die später, als zur vereinbarten Uhrzeit kamen, ein Graus. Natürlich waren die anderen die Schuldigen, nicht meine enge Auslegung von Pünktlichkeit und dass ich selbst für dieses Dilemma verantwortlich war, merkte ich erst viel später.
Als meine Kinder zur Welt kamen, wurden sie meine größten Lehrmeister! So oft war die Windel just dann zu wechseln, wenn ich gerade loswollte und dann war ich diejenige, die nicht pünktlich war! Oder eins wurde krank und ich konnte nicht ins Büro und irgendein wichtiges Thema pünktlich fertigmachen. Da haben sich meine Prioritäten ganz schön verschoben. Ich habe die Welt durch eine völlig neue Brille gesehen. Erstaunlicherweise ist die Welt davon nicht untergegangen, ich war deshalb kein schlechter Mensch, keiner hat sich wegen einer Verspätung beschwert. Im Gegenteil, es schien gar nicht so wichtig zu sein. Was hat mich da vorher immer angetrieben? Manchmal passiert es heute noch und oft genug sind es wieder meine Kinder die sagen „Mach doch langsam, ist doch 10 Minuten später auch nicht schlimm." Und ich bin sehr dankbar dafür.
Und meine Kinder haben mich noch etwas gelehrt – das Lachen! Irgendwann zwischen Berufsleben und der herausfordernden Zeit mit 3 kleinen Kindern ist mir das Lachen abhandengekommen. Ganz still und leise. Mit der Zeit und mit den Kindern (und mit Yoga) habe ich wieder gelernt, wie schön es ist, über verrückte Kleinigkeiten zu lachen, laut und aus vollem Halse zu lachen bis der Muskelkater kommt! Das gehört sich nicht? Das ist gesund!
Wir sind getragen und getrieben von unseren Mustern und erst dann, wenn wir sie erkennen und annehmen können, lassen sie sich lösen und wir werden frei.

Was hilft, ist Gelassenheit. Mit haben besonders drei Methoden bzw. Hinweise und Erfahrungen geholfen, meine Gelassenheit zu entdecken:
1) Die Spiegelgesetze: Schau mal, ob das, was du an einem anderen unangenehm oder ärgerlich findest nicht als ein eigenes Muster erkennen kannst oder eine nicht ausgelebte Seite. Er ist vielleicht nur ein Spiegel deiner selbst und du findest die Lösung vielleicht in dir, wenn du schaust, warum es dich in diesem Moment so antriggert, wo dein eigenes Bedürfnis ist und dieses auch aussprichst. Das bringt dir Bewusstsein.
2) Streiche den Satz „ich muss" ganz bewusst aus deinem Wortschatz und tausche ihn jedes Mal durch „ich möchte gerne" und beobachte, was dadurch mit dir passiert. Immer wenn du automatisch „ich muss" sagst, überlege kurz, was dich antreibt und ob du es wirklich „musst". Das bringt dir Leichtigkeit.
3) Löse dich von deinem Perfektionismus (falls du ihn hast). Und das ist gar nicht so einfach – vielleicht eine lebenslange Aufgabe. Mir hat dabei ein Bild sehr geholfen: Stelle dir dein Blickfeld vor, nach vorne und ein Stückchen zu den Seiten. Weiter seitlich wird es dann schon verschwommen, hinter dir siehst du gar nichts. Du kannst nur einen Ausschnitt des großen Ganzen sehen, viel weniger als die Hälfte! Was macht dich also so sicher, dass es das Richtige ist, die Wahrheit, allumfassend, was du siehst und denkst. Mir hat es geholfen zu akzeptieren, dass ich immer nur meinen Ausschnitt sehe und der Ausschnitt von anderen ein anderer ist. Meine Sicht kann daher nie vollkommen und perfekt sein
Aber ist der falsch? Oder nur anders? Und ich darf Fehler machen, denn nur dann lerne ich. Das bringt Verbindung und gleichzeitig Freiheit.
Zu dieser Freiheit gehört auch, nicht jeden Schritt bis ins kleinste Detail vorauszusehen und vorauszuplanen und abzusichern. Wir haben einen Plan für den Tag, für die nächsten Jahre oder sogar unser Leben. Diese Pläne gaukeln uns eine Sicherheit vor, die es nicht gibt. Pläne sind schön, aber nicht fix. Ein Restrisiko bleibt immer, denn wir sind Menschen und leben in und mit der Natur, der Schöpfungskraft und die lässt sich nicht planen! Kann ich mich mit dieser Unsicherheit anfreunden? Wieweit macht es Sinn zu planen, ab wann darf ich einfach loslassen uns schauen, was der Moment bringt?
Oft werden Pläne und Ideen aus unserer Familienstruktur und unseren Denkweisen geboren. Wir werden in eine Familie und Gesellschaft hineingeboren, in denen es vielleicht erwartet wird, etwas zu tun oder etwas zu werden, oder wir glauben nur, es wird erwartet. Vielleicht schlüpfen wir auch in einer Rolle, die wir gar nicht hinterfragen. Vielleicht leben wir unser Leben nach Maßstäben, die gar nicht unsere eigenen sind und wir merken es nicht einmal? Schlimmstenfalls leben wir das Leben eines anderen – vielleicht unerfüllte Träume unserer Eltern?
Und dann kann der Moment kommen, an dem wir aufwachen und merken, dass wir unser Leben lieber anders leben möchte. Wir haben Ideen, Wünsche, Ziele, die vielleicht nicht konform sind oder auch etwas verrückt, aber warum nicht? Wer definiert, was richtig ist und was falsch? Es ist meins. Und darum geht es doch letztlich immer wieder. Meins zu finden, meine Lebensaufgabe herauszukristallisieren, das tun zu können, was mich ausfüllt, wofür ich brenne, wo mein Herz mich hinzieht. Das sind die Dinge, die oft wie von selbst laufen, ohne Kampf und Krampf. Das sind die Dinge, bei denen Leichtigkeit zu fühlen ist und ein Fließen, Umstände ergeben sich wie von selbst, kommen sogar automatisch zu mir.
Manchmal kommt man selbst drauf, manchmal erst durch Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich einem in den Weg stellen und man merkt: „Eigentlich möchte ich es anders."
Und das erlebe ich in diesen Monaten mit Corona ganz deutlich. Niemand konnte das voraussagen. Diese Entwicklung hat uns alle vor eine ganz neue Herausforderung gestellt, für die ganze Weltgemeinschaft waren alle bisherigen Pläne plötzlich irrelevant. Plötzlich war alles anders.
Und trotz der schwerwiegenden Auswirkungen erlebte ich ganz deutlich und sehr bewusst die positive Seite: Eine neue Freiheit: Von heute auf morgen war alles an Terminen abgesagt, eine Zeit ohne Terminplan, ohne „ich muss noch", sondern einfach in den Tag hineinleben und schauen, was sich entwickelt. Spontan sein, einfach sein, fließen lassen. Das war ein Gefühl, dass ich vermutlich seit meiner Jugend so nicht mehr hatte – herrlich!
Und ich habe mir vorgenommen, diese Freiheit und Spontaneität zu leben und auszukosten. Mich mehr vom Leben führen zu lassen und nicht mein Leben in eine Bahn pressen zu wollen. Und es macht auch Spaß, diese Ungewissheit als Begleiter zu akzeptieren. Als Spannungsbogen in den Tag einzubauen und mich nicht hinter Ängsten zu verstecken, Neues auszuprobieren. Ich habe meine Selbstverwirklichung neu entdeckt und tausend neue Ideen wurden geboren. Und auch „nein" sagen gehört dazu, wenn es sich für mich danach anfühlt.
Ich bin in den letzten Wochen meinem „eigentlichen Ich, meinem Selbst" durch diese Krisensituation ein Stückchen nähergekommen und die Aussage, man muss die Dinge erleben und erfahren, um sie zu verstehen hat eine ganz neue Tiefe bekommen. Für diese Erfahrung bin ich unendlich dankbar.
Eine wunderschöne Meditation, die diese Spontaneität im Leben und den Fluss des Lebens unterstützt ist diese.

Büro der Lehrer*innenausbildung
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